Brandschutz Spezial Archive Bibliotheken Museen Denkmäler

Kulturgüter verdienen Schutz - auch Brandschutz

 

„Die meisten Dummheiten in der Welt muss sich wahrscheinlich ein Gemälde in einem Museum anhören,“ so Edmond de Goncourt (1822-1896, frz. Schriftsteller). Doch neben Dummheiten muss sich ein Gemälde noch ganz andere Dinge gefallen lassen: Flirtversuche der Besucher – denken Sie an Mona Lisa –, Lästereien über

den Künstler direkt vor der Nase und Posieren mit jedermann für schöne Fotos.

 

Doch genau dadurch hat so manches Kunstwerk schon viel mehr erlebt, als wir uns vorstellen können.  Stellen Sie sich vor, Mona Lisa könnte aus dem Nähkästchen plaudern: Sie könnte uns von der Reformation,

über die Industrielle Revolution bis hin zur Entwicklung von Micro-Chips so einiges erzählen. Wer kann schon von sich behaupten, so viele Epochen überstanden zu haben?

 

Genau aus diesem Grund sind Kunstwerkeund Sammlungen, Archive und Bibliotheken so schützenswert. Sie zeugen von Zeiten, die keiner von uns erlebt hat. Nur durch sie können wir verstehen, warum die Welt so ist, wie sie ist. Unschätzbare Werke lagern in kulturhistorischen Stätten. Mit ihnen sind Emotionen und Erinnerungen verbunden, sie sind Teil des kulturellen Erbes, das von Generation zu Generation weitergegeben wird. Werden diese Zeugen der Weltgeschichte beschädigt, sind sie nicht selten für immer unwiederbringlich verloren oder müssen mit großem Aufwand restauriert werden.

 

In dieser Ausgabe des BrandschutzSpezial stellen wir Ihnen detaillierte Brandschutzkonzepte vor - beispielsweise das Konzept des Militärhistorischen Museums in Dresden, dessen Neubau von Stararchitekt Daniel Liebeskind konzipiert wurde. Neben einer aktuellen Schadensliste wird  auch der Schutz von über 30 Millionen Zeugen der Weltgeschichte im Museum für Naturkunde in Berlin näher beleuchtet. Beispielhafte Objekte aus der ganzen Welt zeigen beispielhaften Brandschutz. Deutlich wird auch, dass effektiver Brandschutz für den Besucher unsichtbar in die Architektur eingegliedert werden kann. So gehen hohe ästhetische Ansprüche und der Schutz dieser unschätzbaren Werke und der Besucher Hand in Hand.

 

Diese und zahlreiche weitere Artikel zeigen Ihnen wie professioneller Brandschutz in Museen, Archiven, Bibliotheken und kulturhistorischen Stätten umgesetzt werden kann und vor allem - umgesetzt werden muss. Denn nur mit einem individuell angepassten und professionellen Brandschutzkonzept können Menschenleben, unser kulturelles Gut und die Umwelt bewahrt werden.


Brände in denkmalgeschützten Gebäuden und kulturhistorischen Stätten

Diese Liste enthält Brände und den entstandenen Schaden  in denkmalgeschützten und kulturhistorischen Stätten ab dem Jahr 2000.


Fall in Schleswig Holstein: Kirche komplett zerstört

 

Mit dem  Ausmaß der Zerstörung eines Großbrandes hatte auch die Gemeinde Hanerau-Hademarschen in Schleswig Holstein zu kämpfen.

 

Bis Ende des Jahres 2003 zählt die mittelalterliche St. Severin-Kriche in Hanerau-Hademarschen zu den Sehenswürdigkeiten der Region. In den frühen Morgenstunden zum 27. Dezember 2003 brennt die Kirche jedoch durch ein Großfeuer bis auf die Grundmauern ab. Die mehr als 100 Feuerwehrleute im Großeinsatz können das historische Gebäude nicht mehr retten – der Sachschaden wird auf 2,5 Millionen Euro beziffert. Als Ursache für den Brand wird ein technischer Defekt in der Elektroanlage genannt. Nach dem Unglück zeigt sich auch Heide Simonis, damals Ministerpräsidentin von Schleswig Holstein, sehr betroffen über den unwiederbringlichen Verlust des Kulturgutes. Sie wünscht der Gemeinde „Mut, Kraft und Ausdauer, damit der Wiederaufbau möglichst schnell gelingt.“

 

Im Jahr 2005 wird die zerstörte romanische Feldsteinkriche in enger Abstimmung mit den kirchlichen und staatlichen Denkmalbehörden in zeitgenössischer Architektur und unter Integration der Brandruine wiederhergestellt.

 
   

Interview mit  Dr. Peter Bartsch, Leiter der Sammlungsabteilung und Kurator, über das Museum für Naturkunde in Berlin 

 

Der Ostflügel des Museums wurde am 3. Oktober 1945 vollständig zerstört. Warum begann der Wiederaufbau des Gebäudeteils erst 2006 – 61 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg?

 

Zunächst lag dies an dem Ressourcenmangel während der Nachkriegs- und DDR-Zeit. Es ist zwar öfter in Reparaturmaßnahmen und dringendste Erneuerung von technischen Anlagen des Gebäudes (Heizung, Elektroinstallation) investiert worden, trotz mehrerer Anläufe und Planungen aber nicht der Wiederaufbau des Ostflügels begonnen worden. Seit 1990 sind wiederum etliche dringende Teilmaßnahmen in Dachsanierung, Ausstellung, Laborbau, etc. erfolgt, die ebenfalls für unsere Funktionstüchtigkeit und den Erhalt der Sammlungen wichtig waren. Eine sorgfältige Vorbereitung, Bedarfsanalyse und moderne Konzeption des Ostflügels konnte aber erst ab 1998 in Angriff genommen werden.

 

Mit der Zerstörung des Ostflügels wurden die großen Säugetiere und die meisterhaften Walplastiken nahezu gänzlich zertrümmert. Welche Bedeutung haben derartige Verluste für die Wissenschaft und die Gesellschaft?

 

Viele der damals verlorenen Präparate – gerade von solchen Groß-Säugetieren – sind unwiederbringlich für bestimmte Untersuchungen, Forschungsbereiche, Ausbildung und Anschauung verloren, weil darunter viele Arten selten geworden sind oder nahe dem Aussterben, so dass sie sinnvollerweise heute nicht mehr bejagt werden. Nach dem wissenschaftlich-kulturellen Wert repräsentierte jedes dieser Präparate zudem einen recht hohen volkswirtschaftlichen Wert, indem hier präparatorische und konservatorische Arbeitskraft, Materialien und zum Teil enorme Transportkosten investiert worden sind.

 

Die Sammlungen des Museums zählen über 30 Millionen Objekte. Wie können Sie hier den Überblick wahren?

 

Dies gelingt nur mit einer Vielzahl von kenntnisreichen, in den einzelnen Tiergruppen versierten und höchst engagierten Mitarbeitern, mit archivarischer Sorgfalt – und zunehmend genutzten Datenbanken.

 

Um als Archive der Natur und Grundlage für die Erforschung der Evolution der Erde und des Lebens dienen zu können, müssen naturkundliche Sammlungen stets neues wertvolles Sammlungsmaterial aufnehmen. Wie viel neue Objekte kommen jährlich hinzu? Wie kommen Sie an diese Objekte?

 

Der mittlere jährliche Zuwachs ist schwer einzuschätzen, weil sehr unterschiedlich und abhängig von den aktuellen Forschungsprojekten, Abgaben von größeren oder kleineren Sammlungen an uns, usw.. Ich habe einmal über mehrere Jahre im Mittel 20.000 Exemplare und ca. 200-300 cbm Lagerungs-Volumen per annum eingeschätzt. Die Herkunft ist höchst divers: Eigene Forschungsprojekte in aller Welt; wir selbst und Wissenschaftler-Kollegen, die Belegmaterial von Artbeschreibungen (Typusmaterial) und verschiedenen anderen Studien hinterlegen; Abgaben von privaten und öffentlichen Forschungs- und Lehr-Sammlungen, die akut aus verschiedensten Gründen nicht mehr aufrechterhalten werden.

 

Wenn Sie im Ernstfall drei Objekte aus den Sammlungen oder Ausstellungen retten müssten -  was würden Sie retten?

 

Das ist etwas unrealistisch gefragt, weil sehr abhängig von der Art des "Ernstfalles". Ich hoffe, dass sich alle Mitarbeiter zunächst primär um Personenrettung und Ursachenbehebung/-eindämmung bemühen. Wenn das gewährleistet, ist danach an die Sicherung einer Reihe von wertvollen, gegenüber der spezifischen Schadens-Bedrohung am wenigsten geschützten Objekte zu denken: in der Folge sind die Kataloge, die Original-Registratur des Materials, sowie voraussichtlich die, gegenüber zum Beispiel mechanischer Beschädigung und Wassereinbrüchen empfindliche Trockensammlungsteile zuerst zu berücksichtigen - nicht notwendigerweise zum Beispiel das wertvolle Archaeopteryx-Exemplar (gut geschützt untergebracht und als Fossil gegenüber den meisten möglichen Katastrophen recht robust). Für mich und jeden Kurator ergäbe sich zudem der selbstverständliche Vorrang der Rettung des Typusmaterials – des unersetzlichen und langfristig unverändert zu erhaltenden Belegmaterials von Artbeschreibungen. Dies zeigt: essentiell ist eigentlich die Prävention – und weil diese nicht in Hinblick auf alle möglichen Ursachen, unglücklichen Ursachenverkettungen und zeitgeschichtlichen Umstände absolute Sicherheit gewährleisten kann, gibt es auch die Entwicklung einer Notfallplanung als Bestandteil der präventiven Konservierung bei Museen und naturkundlichen Sammlungen.

 

 

 

Optimaler Brandschutz im Berliner Museum für Naturkunde

 

Effektiver Brandschutz ist für das Naturkundemuseum existenziell, denn ein Verlust der Sammlung wäre für Wissenschaftler eine Katastrophe. Über Jahrhunderte gesammelte, unschätzbare Informationen wären im Falle eines Brandes für immer verloren.

 

Der Beitrag ist erschienen in der Zeitschrift „Der Bausachverständige 3/2011“

Verbandsanschrift
bvfa - Bundesverband
Technischer Brandschutz e.V.
Koellikerstraße 13
97070 Würzburg
Tel.: +49 (0)931 35292-25
Fax: +49 (0)931 35292-29
E-Mail: info@bvfa.de
Aktuelle Termine
Mitglied werden
Sie möchten Mitglied im bvfa werden? Weitere Informationen und den Aufnahmeantrag finden Sie unter:

Mitglied werden
Newsletter
Abonnieren Sie unseren Newsletter, damit Sie immer wissen, was in der Branche läuft!

Jetzt abonnieren